Auszug Radiointerview BNR

Veröffentlicht auf 05-11-2014

bnrCompanyMatch.me on air. Wir waren zu Gast beim Business News Radio und haben über unsere Technik, das Matchen von Werten und Ansichten und unseren Ausflug ins Silicon Valley gesprochen.

Teil 1: Die Technik

Marijke Roskam:
“Diese Frage ist durchaus wichtig: Passt man zu der Unternehmenskultur eines Arbeitgebers oder nicht? Nun, mein Interviewpartner hat ein Tool entwickelt, das diese Frage beantwortet. Es wird bereits von vielen niederländischen Unternehmen genutzt und ist inzwischen auch grenzüberschreitend bekannt: In Deutschland und in den USA. Mit mir am Tisch: Bjorn Veenstra von CompanyMatch.me. Herzlich Willkommen.”

Bjorn Veentra:
“Hallo.”

Marijke Roskam:
“Lass uns erst einmal über die Technik reden, die ihr entwickelt habt. Wie funktioniert die?”

Bjorn Veentra:
“Wir haben ein Tool entwickelt, mit dem man als Arbeitssuchender sehen kann, ob man zu einem bestimmten Unternehmen passt. Dazu verwenden wir Fragen, die sich um die Unternehmenskultur drehen.
Das funktioniert ganz einfach: man findet unser Widget auf der Karriereseite von Unternehmen wie Philips oder Eneco. Dort beantwortet man eine Frageliste, die davor bereits vom Arbeitgeber beantwortet worden sind.
Dann sieht man das Match der Werte und Ansichten, der Dinge, die einen Motivieren als Prozentzahl.”

Marijke Roskam:
“Was für Fragen stellt Philips denn?”

Bjorn Veentra:
“Die Fragen, die man beantwortet, sind für alle Arbeitgeber die selben. Dadurch erschaffen wir eine Plattform, auf der man seine eigenen Werte mit denen von Arbeitgebern vergleichen kann. Zum Bespiel Fragen über den Führungsstil, was im Unternehmen belohnt wird, die Art der Zusammenarbeit. Also Fragen über die Unternehmenskultur.”

Marijke Roskam:
“Aber auch so etwas wie: ‘Möchtest du mit A) deinen Kollegen zu Mittag essen oder B) alleine?’ Ist das auch so eine Frage?”

Bjorn Veentra:
“Nein, die jetzt nicht, aber das ist ein schönes Vorbild, wie man die eigenen Präferenzen angeben und diese mit den Möglichkeiten im Unternehmen abgleichen kann.”

Teil 2: Die Marktlücke

Marijke Roskam:
“Unternehmen achten immer noch sehr auf Lebensläufe und Kompetenzen. Aber Recruiting, das auf die Persönlichkeit einer Person abzielt, wird immer wichtiger. Auch mit der Hilfe von so einem Tool?”

Bjorn Veentra:
“Ja und das ist genau, wobei wir behilflich sind. Wenn man sich den Recruitmentprozess von großen Unternehmen ansieht, dann merkt man, dass der ‘cultural fit’, das Matchen von einem Charakter mit einem Unternehmen immer wichtiger wird.”

Marijke Roskam:
“Aber stellen sich die Leute nicht immer gleich dar? Offen, sozial, bereit Überstunden zu machen, gut im Teamwork – Da gibt es ja kaum noch Unterschiede”

Bjorn Veentra:
“Glücklicherwiese doch und das ist was wir tun. Damit kann man den Unterschied machen und sich als Arbeitgeber individuell präsentieren. Wenn man sich als Unternehmen gut positioniert und die eigene Identität betont, kann man die Kandidaten finden, die zum eigenen Unternehmen passen.”

Teil 3: Die Fragen, das Match und die Relevanz

Marijke Roskam:
“Welche Frage würde man bei so einem Test nicht erwarten? Wo muss man vielleicht ein wenig lachen, auch wenn es für das Match wichtig ist?”

Bjorn Veentra:
“Nun wir fragen zum Beispiel nach der gewünschten Wachstumsstrategie. Das ist ziemlich wichtig. Ist man als Person eher ein ‘Ausbauer’, erweitert man lieber das bestehende, oder ist man mehr ein Starter und will mit anderen etwas aus dem Boden heben.”

Marijke Roskam:
“Und wenn man dann schaut, also ich fülle jetzt als Kandidatin meine Frageliste aus, wie viele Fragen bekomme ich da?”

Bjorn Veentra:
“Das ist ganz einfach und macht auch Spaß. Es sind 18 Fragen, was auf dem Smartphone im Bus oder im Zug auch ganz schnell geht.”

Marijke Roskam:
“Und diese Daten landen dann beim Arbeitgeber, der die kontrolliert. Sieht das Unternehmen dann die ganzen Antworten, oder sortiert ihr schon mal vor: die Person nach links, die wird es nicht, die nach rechts, die passt gut.”

Bjorn Veentra:
“Nein, der Nutzer entscheidet. Das ist ganz wichtig. Der Arbeitssuchende matcht mit dem Arbeitgeber und das Match, dass der Nutzer sieht, wird nicht automatisch mit dem Arbeitgeber geteilt. Ich kann mir auch gut vorstellen, dass man das als Arbeitssuchender nicht will. Man möchte sich erst einmal orientieren.”
Marijke Roskam:
“Aber in der heutigen Zeit, naja. Sorry, aber ob jetzt eine Tischtennisplatte im Raum steht oder nicht, ich will Arbeit.”

Bjorn Veentra:
“Ja, sicher. Letztendlich geht es um den Job des Unternehmens, auf den man sich bewirbt. Wenn man das Match hat, teilt man das mit dem Arbeitgeber. Also man kann sich einerseits auf CompanyMatch.me orientieren und andererseits mit dem Match bewerben.
Mit dem Boom von Jobbörsen hatte ich das Gefühl, dass die Zeit für etwas anderes gekommen ist, spezialisiert auf die Soft Skills. Denn der Lebenslauf ist schon irgendwo in einer Datenbank.”

Teil 4: Das Geschäft

Marijke Roskam:
“Ja, davon gibt es hunderte. Ist das auch ein Grund, wieso die Unternehmen direkt zu euch gekommen sind, oder habt ihr da schon selbst etwas die Werbetrommel schlagen müssen? Denn das ist schon ein besonderes Tool.”

Bjorn Veentra:
“Kein Anfang ist einfach. Ich bin damals mit Bildern bei einigen Unternehmen gewesen. Das waren am Anfang ABN AMRO, Unilever und Achmea. Dort habe ich die Idee vorgestellt. Sie waren sofort begeistert und daraufhin haben wir das Ganze zur Marktreife gebracht.”
Marijke Roskam:
“Und das Business Modell ist…?”

Bjorn Veentra:
“Die Arbeitgeber bezahlt pro Jahr zwischen 4500 und 10.000 Euro, je nachdem welche Module man wählt.”

Marijke Roskam:
“Das kann man also flexibel anpassen”

Bjorn Veentra:
“Genau.”

Teil 5: CompanyMatch.me in den USA

Marijke Roskam:
“Wenn wir uns jetzt die Verbreitung ansehen: national läuft es schon sehr gut, aber dann hast du auch noch beschlossen, die Taschen zu packen und ins Silicon Valley zu gehen.”

Bjorn Veentra:
“Nun dazu gibt es eine Vorgeschichte: Wir sind seit einem Jahr in Belgien aktiv und immer mehr Unternehmen, für die wir arbeiten, wie z.B. Philips und ASML, sind sehr international aufgestellt. Die wollen auch ein englischsprachiges Profil.
Der Versicherungskonzern Aegon hat auch gefragt, ob sie das Widget nicht auch auf ihrer amerikanischen Seite nutzen könnten. Das alles viel dann mit einem Programm namens ‘Holland in the Valley’ zusammen.
‘Holland in the Valley’ ist ein Programm, bei dem wir zusammen mit neun anderen niederländischen Start-ups ausgewählt worden sind um sich in San Francisco zu präsentieren. Und da gehört natürlich auch ein Besuch bei den großen Unternehmen im Valley dazu.”

Marijke Roskam:
“Da kommt man natürlich mit. Du hast dort gepitcht. Ist das sehr viel anders als in den Niederlanden?”

Bjorn Veentra:
“Ja, das ist schon sehr anders. In den Niederlanden sind wir daran gewöht, eine Stunde zu quatschen, um dann einen Termin auszumachen. In Amerika ist alles schneller. Alles wird in zwei bis fünf Minuten eingeteilt.
Wenn man in der Zeit nicht auf den Punkt kommt, dann heißt es nur “Thanks for coming, don’t call us, we’ll call you”. Man hat nur ein sehr kleines Zeitfenster.”

Marijke Roskam:
“Was ist denn bei dem Ganzen rausgekommen?”

Bjorn Veentra:
“Wir haben bei vielen Investoren präsentiert und worum es eigentlich geht, ist Beziehungen aufbauen. Das haben wir auf jeden Fall geschafft und sind auch weiter empfohlen worden. Es ist faszinierend zu sehen, wie die Amerikaner auch immer darüber nachdenken, für wen etwas noch interessant sein könnte.”

Marijke Roskam:
“Sie wollen den anderen auch helfen. Nach dem Motto: ‘Oh da musst du den und anrufen, das könnte interessant sein.’”

Bjorn Veentra:
“Genau.”

Teil 6: Die Zukunft:

Marijke Roskam:
“In zwanzig Sekunden: was passiert in den nächsten zwanzig Jahren? Wie viel Personen arbeiten jetzt bei euch?”

Bjorn Veentra:
“Wir sind momentan zu dritt.”

Marijke Roskam:
“Und es werden?”

Bjorn Veentra:
“Und es werden, denke ich, rund 15 Leute in den nächsten zwei Jahren.”

Marijke Roskam:
“Das klingt bescheiden. Und Copycats siehst du nicht?”

Bjorn Veentra:
“Nein, was wir tun, ist einzigartig.”

Marijke Roskam:
“Vielen Dank Bjorn.”

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