Cultural Fit- Ein Vorwand für Diskriminierung?

Veröffentlicht auf 02-08-2016

Der Begriff Cultural Fit wird in der heutigen Geschäftswelt immer wieder diskutiert. Viele Fachspezialisten betonen die Wichtigkeit der Kompatibilität zwischen Bewerber und Arbeitgebermarke als Grundvorraussetzung für die langfristige Zufriedenheit beider Parteien. Das Prinzip des Cultural Fit verbreitet sich immer mehr und für viele große Unternehmen zählt es bereits zu einem der wichtigsten Kriterien bei der Personalauswahl. Jedoch gibt es, wie bei allen neuen Entwicklungen, auch Kritiker. Einige werfen dem Cultural Fit vor ein Diversitäts Killer zu sein und fürchten er könnte zur Diskriminierung von Bewerbern führen. Funktioniert Diversität trotz Cultural Fit?

Cultural Fit ein Vorwand für Diskriminierung?

Cultural Fit- Ein Diversitäts Killer?
Ron Friedman, Autor des Buches “5 Myths of Great Workplaces” schreibt über den Mythos des “hire for cultural fit” und inwiefern er denkt, dass diese Art von Recruitment einer diversen Mitarbeiterschaft  entgegenwirkt. Er ist fest davon überzeugt, dass der Cultural Fit dazu führt, dass Mitarbeiter sich in Persönlichkeit, Lebenseinstellung, Werten und Denkweisen zu ähnlich sind, was in seinen Augen die Kreativität des Teams hemmt. Außerdem spricht er davon, dass diese festgelegten Charaktereigenschaften dafür sorgen, dass Recruiter zu voreingenommen sind, bezüglich ihrer Vorstellung von potentiellen Bewerbern und womöglich talentierte Kandidaten, die nicht exakt in dieses Schema passen diskriminieren.

Der Unterschied liegt in der genauen Definition
Die Definition des Begriffs Cultural Fit macht den Unterschied. Das Problem ist hierbei, dass Cultural Fit inzwischen nicht nur das bedeutet, was es wortwörtlich aussagt. Das Prinzip hat sich über die letzten Jahre verändert und die Definition wurde erweitert. Also könnte diese Kritik auch lediglich bedeuten, dass einige das Prinzip dahinter noch nicht voll und ganz verstehen und den Begriff in genau den falschen Situationen benutzen, in denen es eher darum geht den Status Quo beizubehalten. Wichtig ist, dass wir uns alle von nun an weniger mit dem wortwörtlichen Begriff beschäftigen, sondern uns mehr darauf konzentrieren zielgerichtet zu verstehen wie genau das Prinzip gemeint ist. Um das zu erklären definieren wir doch zu aller erst das Wort Unternehmenskultur:

“Unternehmenskultur beschreibt allgemeine Verhaltensmuster und die Ansichten und Werte, die diese prägen”

Viele aktuelle Studien bestätigen, dass Mitarbeiter in einer zu ihnen passenden Unternehmenskultur aufgehen und bessere Arbeit leisten. Daher macht es doch Sinn die Ansichten und Kernwerte von Bewerbern mit denen des Arbeitgebers abzugleichen, um sicher zu gehen, dass der potentielle Mitarbeiter auch hundertprozentig hinter seiner Arbeit und seinem Arbeitgeber steht. Nicht nur für das Unternehmen ist dieser Prozess sinnvoll, sondern auch für den Kandidaten, da dieser ja auch nach einer Arbeitsstelle und Arbeitgebermarke sucht, mit der er sich identifizieren kann.

Was genau bedeutet das in der Praxis?
Um ein Beispiel zu machen, welches das Prinzip des Cultural Fit in der Praxis besser erklärt: Stellt euch ein Unternehmen vor, welches großen Wert auf guten Kundenservice und effizientes Arbeiten legt. Der CEO dieser Firme erwartet also dementsprechend, dass seine Mitarbeiter ihr bestes tun und auch in ihrem Interesse das Produkt so kosteneffizient wie möglich auf den Markt bringen und gleichzeitig dem Kunden bieten was er erwartet. Nehmen wir an, dass dieses Unternehmen jemanden einstellt, der zwar ausreichende Kenntnisse im Bereich Produktion mit sich bringt, dem es aber eher wichtig ist schnellen Profit zu machen und sich für Kunden nicht allzu sehr interessiert. Es ist ziemlich sicher, dass dieses Arbeitsverhältnis auf kurz oder lang zu Unzufriedenheit von Mitarbeiter und Arbeitgeber führen wird. Andererseits, wenn das Unternehmen nun einen Kandidaten einstellt, der Kundenzufriedenheit und effizientes Arbeiten ebenso wertschätzt, dann ist es ziemlich sicher, dass diese Person sich um einiges wohler fühlen wird und einer Tätigkeit nachgeht, die zu ihrem Charakter passt, egal ob es sich nun um eine Frau in einem von Männern dominierten Unternehmen handelt oder um einen Kandidaten, der einer ethnischen Minderheit angehört spielt dabei keine Rolle. Eine Persönlichkeit ist viel zu komplex, als das diese nur auf Grund von ähnlichen Werten untergehen könnte. Ein neuer Mitarbeiter kann immer frischen Wind und Diversität in ein Unternehmen bringen, obwohl die persönlichen Werte denen der Unternehmenskultur und der anderen Mitarbeiter vielleicht ähneln.

Interessiert ihr euch für das Thema Cultural Fit, Unternehmenskultur und Employer Branding? In unserem Blog findet ihr Artikel zu vielen spannenden Inhalten in diesem Bereich.

Dieser Blog post wurde inspiriert und teilweise übersetzt von dem Artikel: ‘Is Cultural Fit Just A New Way to Discriminate?’

Empfohlene Artikel