Die „Duz Kultur“ – Ist Du das neue Sie?

Veröffentlicht auf 03-02-2017

Unternehmen aus dem Silicon Valley verdeutlichen den Erfolg der sich wandelnden Unternehmenskultur und auch immer mehr deutsche Konzerne setzten auf das weniger förmliche „Du“. Doch wie wirkt sich diese neue „Duz“-Kultur auf die Performance des Unternehmens aus und was gibt es zu beachten, wenn man das Siezen abschafft? Eine aktuelle Umfrage der Online-Jobbörse StepStone und der Personal- und Managementberatung Kienbaum bietet uns einen tieferen Einblick in diesen Trend.

Wenn man morgens in das Büro von CompanyMatch kommt, wird man häufig mit einem „Guten Morgen! Wie geht’s dir?“ oder „Hast du schon das Neuste vom Meeting gehört?“ begrüßt. Das „Du“ als Anredeform ist bei uns, wie bei vielen Start-up Unternehmen, alltäglich. Aber auch in größeren, klassischen Unternehmen, wie zum Beispiel dem Versandhändler Otto dürfen alle 54.000 Mitarbeiter Ihre Vorsitzende seit letztem Jahr duzen.

Du ist das Neue Sie
Ein Trend der sich langsam aber sicher durch zu setzten scheint. Die gemeinsame Umfrage der Online-Jobbörse StepStone und der Personal- und Managementberatung Kienbaum befragte 17.000 Fachkräfte zu den Themen Hierarchie und Unternehmensstruktur und kam zu dem, teilweise überraschenden Ergebnis, dass lediglich 3% aller Befragten Kollegen sowie Führungspersonal siezen. Die alltäglichere Variante besteht aus einem Mischkonzept, bei dem man einige Mitarbeiter duzt, die Führungsebene aber weiterhin gesiezt wird. Dies ist bei knapp zwei Dritteln (63%) der Fall, mit ansteigenden Prozentsatz für größere Konzerne, ab über 500 Mitarbeitern. Bei kleineren Unternehmen mit einer Mitarbeiterzahl von weniger als 50 Personen ist das „Du“ wesentlich fester etabliert, denn fast jeder Zweite duzt hier Kollegen sowie Chefs.
Allerdings sind diese Ergebnisse auch stark abhängig von der Branche, in der wir uns bewegen. In Public Relation sowie IT & Internet Unternehmen sind knapp 70% der Mitarbeiter per Du, wohingegen in klassischeren Branchen, wie Banken und im öffentlichen Dienst, lediglich 15-20% der Mitarbeiter sich untereinander duzen.

Großkonzerne ziehen nach
Nichtsdestotrotz, sieht man einen allgemeinen Wandel in der Unternehmenskultur. So schaffte Aldi Nord Ende letzten Jahren den Krawattenzwang ab, Volkswagen führte Englisch als Konzernsprache ein, und die Schwarz Gruppe, der größte Handelskonzerns Europas, zu dem u.a. Firmen wie Lidl und Kaufland gehören, schaffte das „Sie“ im Sommer letzten Jahres komplett ab. Alle 375.000 Mitarbeiter sind nun berechtigt einander zu duzen, unabhängig ob Kassiererin oder Manager.
Laut Dr. Walter Jochmann, Geschäftsführer bei Kienbaum, ist dieser Wandel unvermeidlich: „Im Zuge der Digitalisierung müssen sich auch Großunternehmen und Konzerne wandeln. Als Arbeitgeber stehen sie nun mit erfolgreichen Start-Ups im Wettbewerb um die besten Köpfe. Starre Strukturen abzubauen, ist daher für viele Arbeitgeber sinnvoll“.

Vorteile des Wandels
Das Duzen im Arbeitsumfeld bietet, laut Sebastian Dettmers, Geschäftsführer von StepStonde.de, die Möglichkeit Hindernisse abzubauen, denn es beschleunigt das Treffen von Entscheidungen auf Grund von mangelnden Hierarchien und führt so zum effizienteren Arbeiten.
Ein Punkt, der immer wichtiger wird in dem flexiblen, digitalen Arbeitsmarkt unseres Zeitalters. Hinzukommt, dass es die Zusammenarbeit von Mitarbeitern auf Augenhöhe fördert, unabhängig von Alter und Erfahrungen. Es ermöglicht dadurch vor allem jungen Mitarbeitern sich mehr einzubringen und ernster genommen zu werden.
Die Linguistin Elisabeth Wehling geht davon aus, „dass man sich durch soziale Inklusion – wie sie auch durch das Duzen entsteht – physisch wärmer und wohliger fühlt. Die Sprache geht direkt ins Gehirn und ändert unser körperliches Befinden. Und auch das Sozialverhalten unterliegt dem Diktat der Sprache: Wer täglich ‘Du’ anstatt ‘Sie’ sagt, der wird sich, ob er will oder nicht, seinen Kollegen und Chefs verbundener fühlen – und so handeln“. Die Einführung des „Du“ fördert also auch den offenen und direkten Umgang, sowie das „Wir-Gefühl“ innerhalb eines Unternehmens.

„Verschleierung der Hierarchie“
Wie so viele Trends hat allerdings auch das „Du“ einige Schattenseiten, vor allem, wenn man es versucht zwanghaft in klassischen Großunternehmen zu etablieren.
Eva Bamberg, Arbeits- und Organisationspsychologin an der Uni Hamburg, zum Beispiel ist der Ansicht, dass die Abschaffung des Siezens oft nur eine „Verschleierung der Hierarchie“ darstellt und nichts an den klassischen Machtgefällen, wie Lohn und Arbeitszeiten, ändert. Es dient ihrer Meinung nach lediglich als eine Taktik um den Eindruck von Mitarbeiternähe vor Kunden, Stake- und Shareholders des Unternehmens zu verstärken.

Die eigene Unternehmenskultur
Aus diesem Grund sollte man sich als Unternehmensleiter fragen, in wie weit diese „Duz“-Kultur mit der eigenen Unternehmenskultur vereinbar ist, meint Arbeitspsychologe Tim Hagemann, denn nur wenn ein generelles Duzen innerhalb der eigenen Unternehmenskultur stimmig ist, kann das Konzept erfolgreich umgesetzt werden und dem Unternehmen zum Fortschritt verhelfen.

Dieser Blog Post wurde inspiriert durch die Artikel „Unternehmenskultur Immer mehr Firmen schaffen
das „Sie ab“
 und „Du ist das neue Sie“, sowie der Umfrage von Kienbaum und Stepstone.de.

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Ein gutes Beispiel für eine moderne Unternehmenskultur, liefert das erfolgreiche US Medienunternehmen Netflix. Lest mehr darüber hier.

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