HR profitiert von Social Media Trend – Fachexperten Interview mit PW HR Magazin

Veröffentlicht auf 20-07-2016

Nach einem mühsamen Start, scheint die Verbreitung von Social Media im HR Bereich nichts mehr zu stoppen. Aber was zählt eigentlich zu den Trends? Was kann HR tun um die Möglichkeiten, die Social Media bietet voll und ganz auszuschöpfen? Drei Fachexperten über ihre Praxiserfahrung.

Der folgende Artikel umfasst einen Auszug des Interviews in PW De Gids von Juli/August. PW De Gids Magazin ist das führende HR Magazin in den Niederlanden.

Social Media ist ein heißes Thema. In jedem Fachgebiet eine nützliche Technologie. Aber wie genau kann das ein Unternehmen weiterbringen? Was kostet es und wo liegen die Vorteile? Die Teilnehmer der Diskussionsrunde sind davon überzeugt: Social Media ist ein nachhaltiger Trend. Das gilt vor allem für Diana Russ, selbständige HR Expertin und Autorin des Buches HR und Social Media, welches sie voriges Jahr gemeinsam mit Inge Beckers verfasste. In dem Buch behandelt Russo die Einwirkung von Social Media auf Organisationen und besonders auf Human Resources. Wie und warum sollte HR Social Media in den Recruitment Prozess und in andere HR Aktivitäten integrieren?

Der zweite Teilnehmer ist Bjorn Veenstra, Gründer und CEO des HR Tech Unternehmens CompanyMatch.me. Veenstra entwickelte eine Technologie, mit der Kandidaten, welche mithilfe von Social Media nach einem Arbeitsplatz suchen, online checken können inwiefern sie mit dem jeweiligen Betrieb kompatibel sind, basiert auf dem Cultural Fit.

Der dritte Teilnehmer ist Jasper de Weerdt, Corporate Recruiter bei Achmea. Er hat acht Jahre zuvor begonnen, sich als erster seiner Recruitment Abteilung aus Neugierde mit dem Einsatz von Social Media zu beschäftigen. Er sah es schnell kommen, dass Social Media die Zusammenführung von Arbeitnehmern und Arbeitssuchenden auf dem Arbeitsmarkt deutlich vereinfacht.

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Was hat euch davon überzeugt, dass Social Media so einen starken Einfluss auf die HR Branche haben wird?

Diana Russo: “Die Entwicklung von Social Media war für mich ein Anlass mich detaillierter mit dem Thema zu beschäftigen. Ich habe damals einen Blog geschrieben über die Entwicklung von Social Media und inwieweit es die HR Welt verändern wird. Zu der Zeit war ich von dem bevorstehenden Erfolg eigentlich schon fest überzeugt. Jemand von Achmea entdeckte dann den Blog und bat mich vorbei zu kommen, um über darüber zu sprechen. Offenbar war das für viele ein hochinteressantes Thema. Danach veröffentlichte ich meinen Blog auf Slideshare, postete es auf Twitter, kurzum ich nutzte Social Media um meinen Blog über Social Media Plattformen zu verbreiten. Ich weiß noch genau, dass ich zu dieser Zeit einen Vortrag hielt auf einem HR Kongress, in dem ich die Frage stellte, ob Social Media nur ein Hype sei. Beinahe das gesamte Publikum antwortete mit ja. Das würde heutzutage nicht mehr passieren.

Bjorn Veenstra: “Ein paar Jahre zuvor stellte ich fest, dass es keine einzige Karriere Webseite gibt, die interaktiv ist. In Zeiten, in denen sich Arbeitssuchende primär online auf dem Arbeitsmarkt orientieren, wollen sie natürlich auch herausfinden inwiefern sie zu potentiellen Arbeitgebern passen. Aus einer Studie von Bersin by Deloitte geht hervor, dass 80 % aller Arbeitssuchenden Informationen über die Unternehmenskultur wichtiger finden, während des Online Orientierungsprozesses, als Angaben über das Gehalt. Mit CompanyMatch.me haben wir die Marktlücke gedeckt. Wir haben eine Technologie entwickelt, mit der man als potentieller Bewerber seine eigenen Motivationen und Werte mit denen des möglichen Arbeitgebers vergleicht. So entsteht über verschiedene Social Media Plattformen, einfacher eine Interaktion zwischen Kandidat und Betrieb.

“Social Media macht die innerbetriebliche Arbeitswelt immer transparenter”

Jasper de Weerdt: ”Als ich anfing mich bei Achmea mehr mit Social Media zu befassen, war ich überzeugt, dass man ohne diese Technologie richtig zu nutzen auch keine Vorteile daraus ziehen kann. Erst fand ich Social Media, genauso wie Hyves, amüsant aber für meinen Arbeitsbereich schien es einfach nicht so sinnvoll. Mit der Zeit hatte ich dann aber, dank der Online Karriereplattform LinkedIn, die Möglichkeit Berufserfahrene zu kontaktieren um mit ihnen ins Gespräch zu kommen.”

Russo: “Networking ist in der Tat worum es dabei geht. Es ist nicht mehr der Recruiter, der eine Stellenanzeige schaltet und dann nur wartet bis etwas kommt, sondern eher die Mitarbeiter, die über Social Media passende Kandidaten aus ihrem Netzwerk kontaktieren. Über diese Kontakte können dann talentierte Kandidaten gefunden werden. In diesem Sinne verändert sich auch die Rolle des Recruiters: Dieser ist für den Bewerber nicht mehr der erste Ansprechpartner.

Was sind die wichtigsten Trends in HR und Social Media?

Veenstra: “Das die “Macht” in der Beziehung zwischen Kandidat und Arbeitgeber dank Social Media bei dem Bewerber liegt. Dieser fragt sich nämlich: Wie kann ich mich mithilfe von Social Media profilieren? Wem soll ich mein Talent zur Verfügung stellen und inwiefern wünsche ich mir von möglichen Arbeitgebern oder Recruitern kontaktiert zu werden? Also ja, das sorgt automatisch dafür, dass Unternehmen mehr dafür tun müssen um Bewerber anzulocken. Es fällt schon auf, dass Großunternehmen sich inzwischen ein Bein ausreißen um passende Kandidaten für ein Traineeship zu finden. Arbeitssuchende bevorzugen nämlich vor allem Kleinunternehmen und Start-ups, weil sie dort schneller mehr Verantwortung übernehmen können und sich somit schneller weiterentwickeln und aufsteigen.

Russo: “Ein weiterer Trend ist die interne Benutzung von Social Media. Das ist auch notwendig, damit Informationen innerhalb des Betriebes effizient ausgetauscht werden können. Gleichzeitig aber oft auch eine Falle: Nach außen können sich Unternehmen damit sehr gut profilieren, mit ihrem überzeugenden Gerede, aber kommen Bewerber einmal in Berührung mit dem Innenleben eines Unternehmens, dann verfällt es oft wieder in die klassischen Strukturen fernab des digitalen Wandels. Es wird vergessen, dass das externe Bild, welches vermittelt wird auch mit der Realität des täglichen Arbeitsumfeldes übereinstimmen sollte. Der Trend geht dahin die Innenwelt der Unternehmen immer transparenter zu machen.”

De Weerdt: “Genauso haben wir “Blink” bei Achmea, eine interne Soziale Plattform, in der auch P&O eine eigene Community besitzt. Ich denke jedoch, dass das noch ausbaufähig ist, da viele Kollegen so gut wie nie Inhalte teilen. Hat das mit den Mitarbeitern zu tun? Oder mit unserer Unternehmenskultur? Ich weiß es nicht.”

Veenstra: “Das lässt mich auch an das Online Recruitment denken. Das Werben von Talenten und potentiellen Mitarbeitern, bei dem Social Media eine sehr große Rolle spielt. Es handelt sich um eine wirklich effektive Methode, aber wird leider noch nicht oft genug genutzt. Wie kann das sein?”

“Es ist die Aufgabe des HR den Kontakt und die Kommunikation mit Mitarbeitern zu vereinfachen.”

De Weerdt: “Vor 2 Jahren habe ich vor 70 Kollegen ein Online Tool vorgestellt, das das „Referral Recruitment“ vereinfachen sollte. Während meiner Präsentation bemerkte ich, dass einige Kollegen den Raum verließen. Als ich sie deshalb angesprochen habe, sagten sie sie hätten zurzeit keinen Personalbedarf und wenn es so kommen sollte, könnte ich sie dann ja beraten. Der Mitarbeiterbedarf anderer Teams interessiere sie nicht. Recruitment ist immerhin nicht ihr Job. Tja das ist leider auch die Realität in vielen anderen Organisationen. Trotzdem ist das „Referral Recruitment“ die Zukunft. Gerade wenn man sich die steigende Popularität von Glassdoor so ansieht, eine Online Karriereplattform auf der Beschäftige, ganz frei, offen und für alle sichtbar, ihre Meinung über ihren Arbeitgeber teilen. So eine Anpassung von Social Media ist ein bedeutender Schritt.

Was sollte die Rolle von HR sein, um die Vorteile von Social Media auszunutzen?

Russo: “HR kann über Social Media zum Beispiel viel einfacher mit Mitarbeitern in Kontakt bleiben, auch wenn diese bereits zu einem anderen Arbeitgeber gewechselt sind. Sie könnten sich doch mit der Zeit zu wertvolle Botschaftern für das Unternehmen entwickeln. Und wer weiß, vielleicht entscheiden sie sich irgendwann dafür zum Unternehmen zurückzukehren. Es ist die Aufgabe des HR den Kontakt und die Kommunikation innerhalb der Mitarbeiterschaft zu vereinfachen.”

Veenstra: “Nun zu diesem Punkt finde ich hat HR in meinen Augen während der letzten Jahre wenig getan. Das waren eher interne Recruiter, von Natur aus eher auf externe Entwicklungen fokussiert, die die Vorteile des Social Media für Werbezwecke genutzt haben. Es fällt auf, dass immer mehr Marketingprinzipien in den Recruitment Prozess und Employer Branding integriert wird. Nun da Social Media immer wichtiger wird, muss das auf jeden Fall nachhaltig umgesetzt werden. Dabei kann und muss HR die Dinge in die Hand nehmen.

Russo: ”Was das betrifft steht HR erst am Anfang. Social Media ist ein wunderbares Instrument für HR Themenbereiche, wie interne Kommunikation, Talentmanagement, flexibler Einsatz von Arbeitnehmern, interner Informationenaustausch usw. HR übernimmt nicht nur eine vereinfachende, sondern auch eine richtungsweisende Rolle.”

HR und Social Media- Diana Russo schrieb zusammen mit Inge Beckers das Buch HR und Social Media, welches voriges Jahr erschienen ist auf Vakmedianet. In dem Buch behandeln die Autoren die Anwendung von Social Media und die Rolle des HR wird dabei ausführlich erklärt. www.pwdegids/webshop www.pwdegids/webshop

De Weerdt: ”HR sollte weniger bescheiden sein und die Integration von Social Media in die Hand nehmen. Es geht nicht darum was genau kommuniziert wird, sondern eher darum, dass auf diese Weise kommuniziert wird. Die Kraft des Teilens!”

Veenstra: Außerdem sollte HR den Fokus auf eine gute Zusammenarbeit legen, mit Marketing, HR und Recruitment. HR sollte dabei die Prozesse delegieren und sich beispielsweise damit beschäftigen, welche fortschritte das Unternehmen in diesem Bereich erzielt, mithilfe von HR-Analytics.

Wie läuft das bei Achmea?

De Weerdt: “Die drei Disziplinen, die Bjorn nannte, sind bei Achmea wortwörtlich zu bemerken. Wir beschäftigen uns mit spezifischen Themengebieten, innerhalb des HR. Zum Beispiel verfügen wir über ein analytisches Team; als Recruiter regeln wir viele Angelegenheiten über HR weil sie gute Beziehungen pflegt innerhalb des gesamten Konzerns. Nicht nur mit einem Auge auf aktuellen Stellenanzeigen, sondern vor allem geht es um die Werbungsfrage der Zukunft, der HR sich widmen muss hinsichtlich zukünftiger Businesspläne. Als betriebliche Recruiter arbeiten wir selbstverständlich nicht mit externen Recruitmentbüros, wir regeln alles selbst und beschleunigen die Prozesse umso mehr gemeinsam mit Kollegen von HR und Marketing.

“HR sollte weniger bescheiden sein und wo es nur geht, die Dinge selbst in die Hand nehmen”

CompanyMatch ist nominiert für den Accenture Innovation Award

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