KI versus Mensch – Künstliche Intelligenz im Recruiting

Veröffentlicht auf 27-09-2018

Künstliche Intelligenz (KI) entwickelt sich in einem enormen Tempo. KI und Automatisierung werden die Arbeitswelt, wie wir sie kennen, in ihren Grundfesten erschüttern und für immer verändern. Aber wie wirkt sich dies auf Berufe in HR aus? Und wie können wir uns am besten vorbereiten?

Im Gegensatz zu anderen technologischen Innovationen, wird KI zunächst Berufe im Bürobereich – wie Rekrutierung – beeinflussen. Insbesondere Jobs, die auf der Verarbeitung und Analyse von Daten basieren, können durch präzise Regulierungen und andere Automatisierungen von KI übernommen werden. Die Rekrutierung von neuen Mitarbeitern, die zu großen Teilen auf der Verarbeitung von Lebensläufen, dem Abgleichen von Erfahrungen und Fähigkeiten und anderen eher vorhersehbaren Aktivitäten besteht, wird daher stark von dieser Technologie beeinflusst werden. Aber kein Grund zur Panik, dies ist kein Weltuntergang – ganz im Gegenteil! Mit ausreichender Vorbereitung kann man KI nutzen um nicht nur als HR-Experte und Arbeitgeber relevant zu bleiben, sondern auch einen klaren Vorteil gegenüber der Konkurrenz zu haben.

Beginnen wir also damit, ein tieferes Verständnis dafür entwickeln, wie und wo KI die HR-Branche beeinflussen wird. Im folgenden Beitrag werden wir uns daher auf folgende Punkte konzentrieren:

  • Die Auswirkungen von KI auf HR im nächsten Jahrzehnt
  • Der Einfluss auf die HR Profession
  • 3 Tipps für eine erfolgreiche Integration von KI

Die Auswirkungen von KI auf HR im nächsten Jahrzehnt

Heutzutage wird KI hauptsächlich verwendet, um den Rekrutierer von zeitaufwendigen Aufgaben zu befreien, wie zum Beispiel Termine zu planen oder E-Mails zu filtern. Der Deloitte Human Capital Trend Report 2018 zeigt, dass 24% der beteiligten Organisationen KI und Robotik zur Durchführung von Routineaufgaben, 16% zur Verbesserung der menschlichen Fähigkeiten und 7% zur vollständigen Umstrukturierung der Arbeit einsetzen. Auf diese Weise können sich Personalfachkräfte auf wichtigere Aufgaben konzentrieren. Dies hat viele Vorteile: Zum einen sind Maschinen in der Lage, viel höhere Datenmengen mit höherer Genauigkeit & Geschwindigkeit zu verarbeiten, als ein Mensch es je könnte.

Hallo, ich bin Viv!

Die Entwickler von Siri – die Apple verließen, um ihre eigenen Firma Six Five Labs zu gründen – entwickelten ein persönliches Hilfsprogramm namens “Viv”. Dieses Programm ist nicht nur in der Lage, komplexe Sprachbefehle zu verstehen und darauf zu reagieren, sondern untergeht kontinuierlichen Lernprozessen und Veränderung basierend auf Echtzeitdaten. Im Oktober 2017  taten sich Six Five Labs und Samsung zusammen und es ist nur eine Frage der Zeit, bis Viv in einer neuen Ausgabe von Bixby erscheint.

Chatbots wie Viv werden nicht nur immer besser, sondern auch zunehmend billiger. Es wird also nicht  lange dauern, bis ein virtueller KI-Assistent eure Telefonnotizen schreibt, den Posteingang verwaltet, Leads verfolgt oder sogar Videointerviews durchführt.

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Wissen wir noch was ‘menschlich’ heißt?

Der Einfluss auf die HR Profession

Der beschriebene Anstieg von Robotik im HR schafft genauso viele Möglichkeiten wie Herausforderungen. Einem können wir uns jedoch gewiss sein: Das ‘Human’ in HR wird so schnell nicht verschwinden!

Kurt Heikkinen, Geschäftsführer von Montage, beschreibt einen der Hauptvorteile von KI wie folgt:

Derzeit sind Talent-Acquisitions Teams mit administrativen Aufgaben, wie das Bearbeiten von Lebensläufen und die Planung von Vorstellungsgesprächen, überlastet. Wenn Organisationen jedoch Rekrutierungstools einsetzen, die die Leistungsfähigkeit von KI nutzen, wie textbasierte Befragungen und automatisierte Terminplanungslösungen, werden diese langwierigen administrativen Aufgaben eliminiert. Dies ermöglicht Personalvermittlern, ihre Zeit strategischer zu gestalten und sich auf das Führen von Bewerbungsgesprächen, das Einstellen, und Onboarding von Mitarbeitern zu konzentrieren.

Die zuvor erwähnte Deloitte-Studie zeigte auch, dass die neueste KI-Software nicht nur Gesichter erkennen, Geschlecht identifizieren, Stimmen hören, Stimmungen identifizieren und Videointerviews decodieren kann, sondern auch das Bildungsniveau, Lügen und kognitiven Fähigkeiten identifiziert. Analysetools wie diese sind in der Lage, passende Kandidaten effektiver auszuwählen, die Karrieremöglichkeiten von Mitarbeiter zu identifizieren und Führungskräfte bei der Verbesserung ihrer Führungsfähigkeiten zu coachen.

Die entscheidende Rolle von Personalverantwortlichen ist, hinter die Kulissen des Unternehmens zu schauen und herauszuarbeiten was für Fähigkeiten fehlen und wie spezifische Kandidaten einen Mehrwert für eine Organisation schaffen können. Nur wenn ein tiefgründiges Verständnis dieser Faktoren besteht, kann KI von nutzen sein. Ksenia Zheltoukhova, Leiterin der Forschung am Chartered Institute of Personal and Development, betont dies:

Unternehmen müssen versuchen, herauszufinden, welchen Wert Kandidaten der Organisation hinzufügen sollten, bevor man sich die verfügbaren Werkzeuge ansieht. Einige dieser Werkzeuge können technologisch sein, andere sind Mitarbeiter des Unternehmens. Letzten Endes, geht es darum, verschiedene Arten von Lösungen zu kombinieren. Es geht darum, die besten verfügbaren Technologie zu verstehen und zu evaluieren wie das Unternehmen mit dieser Technologie interagieren kann. Es geht um einen Übergang zu einem automatisierteren Arbeitsplatz und um die notwendigen Fähigkeiten, um diesen Übergang zu erleichtern. Die Herausforderung für den HR Beruf besteht darin, dass in den nächsten fünf bis zehn Jahren einige Personen im HR-Bereich Aufgaben erfüllen werden, von denen wir wissen, dass sie automatisiert werden.

Einer der wirklichen Vorteile von KI ist, dass HR-Fachleute nun in der Lage sind, das zu tun, was sie am besten können: Mensch sein. Die Entwicklung von emotionalen Beziehungen, das Aufspüren von Vorurteile, der Aufbau einer Arbeitgebermarke, das Verständnis und die Bewertung der Teamkultur – all diese Faktoren werden nicht durch KI ersetzt werden. In Zukunft können Personalvermittler und Personalverantwortliche mehr Zeit investieren, um ihrer Rolle mehr “soziale Intelligenz” zu verleihen, während KI den Fakten basierenden Teil übernimmt.

Wie wirkt sich KI auf Rekrutierungsaktivitäten aus?

LinkedIn veröffentlichte vor Kurzem eine Illustration, die veranschaulicht, wie und wo AI Recrutierung am stärksten beeinflussen wird. Auf der X-Achse befindet sich das Automatisierungspotenzial (von hoch zu niedrig), auf der Y-Achse der ‘Human Touch’. Mit anderen Worten, das untere linke Quadrant zeigt Aufgaben, die höchstwahrscheinlich in der Zukunft durch KI-Software ersetzt werden. Der obere rechte Quadrant zeigt Aktivitäten, die aufgrund ihrer emotionalen Komplexität ein hohes Maß an menschlicher Beteiligung erfordern.

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Wie man sich an die Auswirkungen von AI anpassen kann

  1. Entwickle “soziale Intelligenz”
    Die Fähigkeit, mit anderen zu kommunizieren, emotionale Verbindungen herzustellen oder Verhalten zu beurteilen, wird zunehmend wichtiger, wenn Roboter administrative Aufgaben übernehmen. Leider müssen viele von uns in einer Welt voller Technologie es wieder lernen, menschlich zu sein. Interpersonelle Kommunikationsfähigkeiten und soziale Intelligenz werden in einer KI-gesteuerten Welt eine entscheidende Rolle spielen.
  2. Big Data willkommen heißen
    Daten können überwältigend sein, besonders in großen Mengen. Es ist jedoch wichtig, sich mit Datenanalyse und -interpretation vertraut zu machen. In Zukunft werden wir auf riesige Datenmengen und Einblicke in Talent und Nachfrage zugreifen können. Es ist unsere Aufgabe als HR Spezialisten, diese Informationen für unsere Kunden und Interessengruppen zu interpretieren. Schließlich sind wir die Talentberater.
  3. Bauchgefühl 2.0
    Die Einstellung neuer Talente wird eine Kombination aus Technologie und menschlichem Einsatz bleiben. Wer ist begeistert von eurer Organisation? Wer wäre ein guter Cultural Fit mit dem Team? Wenn ihr euch mit neuen Technologien wie Cultural Fit-Algorithmen vertraut macht, können Ihr euer Bauchgefühl ‘upgraden’ und in kurzer Zeit die besten passenden Talente einstellen.

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