Kulturelle Unterschiede am Arbeitsplatz: so gehen Sie damit um

Veröffentlicht auf 25-07-2019

Viele große Scale-Ups wachsen derzeit extrem schnell und der Zufluss neuer Kollegen ist nicht mehr aufzuhalten. Dadurch werden Teams schnell größer und oft internationaler. Eigentlich super, aber wie gehen Sie als Teamleiter* und Manager am besten mit kulturellen Unterschieden in Ihrem Team um?

Ich habe selbst in mehreren internationalen Teams gearbeitet. Manchmal gab es Konflikte zwischen Teammitgliedern mit unterschiedlichen kulturellen Hintergründen. Wie dies gehandhabt wurde, war je nach Teamleiter unterschiedlich. Einige haben es geschafft, alles auszugleichen und zur gleichen Zeit das gesamte Team zu motivieren. Andere gingen weniger gut damit um, was zu Lasten des Vertrauens und der Harmonie im Team fiel.

Es ist von entscheidender Bedeutung, dass Sie als Manager lernen, gut damit umzugehen, wenn Sie das Vertrauen, die Motivation und den Zusammenhalt Ihres Teams nicht schaden und offene Konflikte vermeiden wollen.

DIREKTE UND INDIREKTE KOMMUNIKATION

Eine häufige Ursache für Konflikte ist die Art wie wir miteinander Kommunizieren. Wahrscheinlich haben Sie schon mal gehört, dass Deutsche im Allgemeinen direkt sind. Ob es um persönliche Kommunikation geht “Ich mag deine neue Frisur nicht” oder am Arbeitsplatz “Wenn dieses Projekt weitergeht, werden wir unseren ROI nicht erreichen”, Sie wissen sofort, was gemeint ist.

Gegenbeispiel: Japaner sind in der Regel sehr indirekt. Wenn Sie in Japan eine Frage stellen, zum Beispiel in einem Geschäft, in dem der Mitarbeiter tatsächlich mit “Nein” antworten muss, werden Sie dies selten sofort hören. Der Mitarbeiter sagt “chotto” und verschwindet für 10 Minuten in einem Hinterzimmer, um die Angelegenheit mit einem Kollegen zu besprechen. In dieser Situation können Sie normalerweise davon ausgehen, dass Ihre Frage eine negative Antwort bekommen wird. Sie hätten es wahrscheinlich vorgezogen, wenn Sie einfach sofort abgelehnt worden wären, ohne erst 10 Minuten Ihrer Zeit zu verschwenden.

Aus ‘The Culture Map: Breaking Through the Invisible Boundaries of Global Business’ von Erin Meyer

Bildquelle

Es besteht also die Möglichkeit, dass ein japanischer Kollege weniger direkt auf eine Frage antwortet als ein niederländischer Kollege. Schließlich sind beide in einer anderen Kultur aufgewachsen und haben so eine andere Art der Kommunikation gelernt. Wenn Sie dies im Voraus wissen, können Sie richtig damit umgehen und es wird nicht so schnell zu unnötigen Missverständnissen kommen.

SO SORGEN SIE FÜR EINE GUTE INTERKULTURELLE KOMMUNIKATION IN IHREM TEAM

Treat others the way they want and need to be treated. – Dr. Tony Alessandra’s Platinum Rule®

Die folgenden Schritte können Ihnen und Ihrem Team helfen, besser miteinander zu kommunizieren und motivierter zu arbeiten.

1. VERTIEFEN SIE SICH IN DIE KULTUR IHRES TEAMS

Wenn Sie mehr über die Kultur Ihres Teamkollegen und der Unterschiede zu Ihrer eigenen Kultur wissen, können Sie die Reaktion Ihres Teammitglieds besser verstehen und in den richtigen Kontext setzen. Versuchen Sie jedoch nicht, in Stereotypen zu verfallen. Berücksichtigen Sie immer den Charakter Ihres Teammitglieds.

In diesen Zeiten der Globalisierung ist es normal, dass Menschen von unterschiedlichen Kulturen beeinflusst werden. Expats sind auch oft offener für neue Kulturen und versuchen sich an die Kultur ihres neuen Wohnortes anzupassen. Mit dem notwendigen kulturellen Wissen im Hinterkopf können Sie Ihrem Teamkollegen dabei auch helfen, wenn er offen dafür ist.

Tipp: In unserem Artikel über das Modell der nationalen Kulturunterschiede von Trompenaars erfahren Sie mehr über die sieben häufigsten kulturellen Unterschiede am Arbeitsplatz.

2. Akzeptieren Sie sich gegenseitig

Möglicherweise sind Sie ein Manager, der es mag offen zu sprechen, und der seine Gefühle nicht so leicht zeigt. Ihr Teammitglied ist vielleicht jemand, der indirekt kommuniziert und seine Emotionen freien Lauf gibt. Versuchen Sie nicht seinen Charakter zu ändern sondern berücksichtigen Sie (basierend auf Ihrem Wissen über seinen Charakter und seinen kulturellen Hintergrund) seine mögliche Reaktion, wenn Sie beispielsweise beschließen, seine Arbeit zu kritisieren. Sehen Sie, wie Sie Kritik so einbringen können, dass sich der Mitarbeiter motiviert fühlt, seine Arbeit zu verbessern. Auf diese Weise verhindern Sie, dass er aufgrund von Ungewissheit oder Unzufriedenheit, schlechtere Arbeit leistet.

Kurz gesagt, versuchen Sie als Manager, bei jedem Teammitglied abzuschätzen, wie Sie am besten mit ihm umgehen können. Auf diese Weise geben Sie Ihren Teammitgliedern die Möglichkeit, sich auf Sie zu verlassen, und sie werden sich bei Problemen schneller bei Ihnen melden oder verstehen, dass Sie darauf vertrauen, dass sie das Problem selbst lösen können. Letztendlich sind Sie der Dreh- und Angelpunkt des Teams und haben den größten Einfluss auf dessen Erfolg.

3. EINFACHE UND DEUTLICHE KOMMUNIKATION

Es ist ein Klischee, aber kommunizieren Sie miteinander. Gibt es Konflikte zwischen Ihnen und Ihrem Teammitglied, besprechen Sie diese ehrlich, offen und eins zu eins miteinander. Wenn es innerhalb der Gruppe Probleme gibt, besprechen Sie diese am besten in einem Meeting. Nicht auf eine unhöfliche, aber freundliche und offene Weise.

Sorgen Sie für eine sichere Umgebung, in der Ihre Teammitglieder offen ausdrücken können was sie vorhaben, oder was ihre Motivation für ein bestimmtes Verhalten ist. Ermutigen Sie sie, mehr über die Kulturen des anderen zu lernen und gehen Sie mit einem gutem Beispiel voran. Zeigen Sie, dass Neugier und Fragen geschätzt werden. Dies sorgt dafür, dass Teammitglieder aus einer indirekten Kultur langsam aber sicher lernen offener zu kommunizieren.

Eine gute Kommunikation reduziert die Wahrscheinlichkeit von Gerüchten und hinterhältigem Verhalten. Es bringt auch Vertrauen in das Team zurück. Außerdem wird sichergestellt, dass Menschen nicht mehr versuchen, die Absichten des anderen zu erraten und so negative Absichten anzunehmen, die es tatsächlich nicht gibt.

4. VALUE FIT

Sind Sie für die Einstellung neuer Teammitglieder verantwortlich? Machen Sie es sich leichter und sorgen Sie dafür, dass Sie Mitarbeiter mit persönlichen Werten einstellen, die zur Ihrer Unternehmenskultur passen. Ihre neuen Mitarbeiter werden sich in Ihrem Unternehmen rasch zuhause fühlen, zufriedener sein und länger im Unternehmen bleiben.

Und nein, die Einstellung von Mitarbeitern, die zu Ihrer Unternehmenskultur passen, führt nicht zu einer vollständigen Homogenität von Mitarbeitern mit nur einer bestimmten Nationalität. Beweggründe und Motivatoren sind grenzüberschreitend und sowohl Japaner als auch Deutsche können dieselben Beweggründe und Motivatoren haben, auch wenn sie jeweils aus einer anderen Kultur stammen.

VIEL ERFOLG!

Gehen Sie also gut voran und sorgen Sie dafür, dass sowohl Sie als auch Ihr Team mit diesen Informationen im Hinterkopf kommunizieren. Dann haben Sie die größte Chance auf motivierte Mitarbeiter, die gut zusammenarbeiten können.

*Aus Gründen der Lesbarkeit wurde im Text die männliche Form gewählt, nichtsdestoweniger beziehen sich die Angaben auf Angehörige allen Geschlechtern.

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Header-Foto: Camylla Battani auf Unsplash

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