Robot Recruiting – Sind Roboter die Recruiter der Zukunft?

Veröffentlicht auf 26-04-2018

Robot Recruiting beschwört oft folgendes Bild herauf: Eine menschenähnliche Gestalt sitzt vor ihrem Bildschirm, tippt mit ihren elektronischen Fingern auf eine Tastatur, um nach beispielsweise Bewerbern zu suchen. Keine Sorge! Diese Vision gehört in den Bereich Science-Fiction. Allerdings ist Robot Recruiting einer anderen Art bereits zur Realität im Personalwesen geworden. Doch inwieweit lassen sich Menschen durch Maschinen ersetzen? Wir haben dieser Frage, anhand von aktuellen Beispielen, wie dem Roboter Vera, mal auf den Grund gefühlt.

Robot Recruiting: Definition und Anwendungsbereiche

Robot Recruiting beschreibt einen teilweise automatisierten Rekrutierungsprozess, bei dem z.B. die Beurteilung und Auswahl von Bewerbern anhand von Algorithmen durchgeführt wird. Durch den Einsatz von, auf Big Data basierenden, Software soll der Auswahlprozess nicht nur verschnellert, sondern auch effizienter gestaltet werden. So kann eine Recruiting Strategie, die sich unter anderem auf künstliche Intelligenz und smarten Algorithmen stützt, gerechter und freier von Vorurteilen sein.

Robot Recruiting hat dabei schon lange den Science-Fiction Bereich verlassen: 95% aller US Unternehmen machen bereits von Robotern nutze. Auch in Deutschland ist Algorithmus-basiertes Recruiting auf dem Vormarsch. So geben sieben von zehn der deutschen Top-1.000-Unternehmen an, dass man von solchen Systemen in der Zukunft mehr Nutzen machen wird.

Die Einsatzgebiete von Robotern – oder KI basierenden Softwares – ist dabei vielfältig:

  • Analysieren von Lebensläufen und Anschreiben
  • Planen von Probetagen und Bewerbungsgesprächen
  • Filtern von kandidaten basierend auf deren Soft Skills, Bildungsweges, Fachkenntnisse oder Arbeitserfahrungen
  • Automatisches listen von möglichen Bewerben in Bewerbermanagementsystemen
  • Direktes beantworten von Fragen des Bewerbers während des Bewerbungsprozesses
  • uvm.

Die Vorteile sind glasklar: Man muss nichts mehr manuell in Spreadsheets eintragen, (menschliche) Fehler werden vermieden und unterm Strich geht alles wesentlich schneller. Das Active Sourcing von Kandidaten in Business Netzwerken wie XING oder LinkedIn kann ebenfalls automatisiert werden. Wie? Algorithmen durchsuchen Lebenslauf-Datenbanken, Social Media Kanäle und Jobportale nach passenden Talenten. Der Recruiter muss lediglich die gewünschten Kriterien im Vorab definieren – der ¨Roboter¨erledigt den Rest. Auch der Cultural Fit lässt sich durch solche Softwarelösungen bereits während der Orientierungsphase des Bewerbes bestimmen lassen. Neue Technologien, wie der CompanyMatch Algorithmus, ermöglichen es Kandidaten persönliche Werte und Präferenzen mit denen des Wunscharbeitgebers abzugleichen – ohne die Karrierewebseite verlassen zu müssen!

Chatbots: Die Kommunikations-Helfer

Wir alle sind ihnen bereits begegnet: Man hat kaum die Webseite betreten, schon ploppt ein Chatfenster auf und ein ´Mitarbeiter´ bietet Hilfe oder Informationen an. Solche sogenannten Chatbots sind die wohl bisher weitverbreitetste Anwendung von Robot Recruiting. Das Prinzip: Diese Bots sind vor allem für Kommunikationsaufgaben hilfreich, denn sie ersparen nicht nur dem Recruitern das lastige Antworten von immer wieder auftretenden Fragen, sondern auch dem User das nervige Durchscrollen von FAQ-Listen. Einer der größten Vorteile von Chatbots ist, dass sie 24/7 erreichbar sind. Wann auch immer Kandidaten eine Frage stellen wolle, der Chatbot steht ihnen als Helfer zur Verfügung. So geht nicht nur die Informationssuche wesentlich schneller, sondern man verbessert auch die Candidate Experience im selben Zug. Eine Win-Win Situation für beide Seiten!

Nachteile von Robot Recruiting

Die größten Bedenken gegenüber Robot Recruiting haben vor allem die Bewerber: Laut der Recruiting Trend Studie 2018 von der Universitat Bamberg, ziehen 63% der Jobsuchenden E-Mails als Bewerbungskanal vor, gefolgt von Online-Formularen. Die größte Befürchtung liegt darin, bereits wegen kleinen Formfehlern abgelehnt bzw. von dem Algorithmus ausgeschlossen zu werden.

Hinzu kommt, dass Roboter trotz künstlicher Intelligenz nicht ansatzweise an die Gehirnfunktionen eines Menschens herankommen. Unerwartete Situationen, außerhalb der programmierten Zone des Bots, sind nur schwer lösbar. Auch der Mangel an Empathie und Gefühlen sind klare Nachteile solcher Technologien.

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Roboter Vera. Source: Stafory

Robot Vera: Der HR Helfer von Pepsi, L’Oréal und Co.

Ein aktuelles Beispiel von Robot Recruiting ist der Roboter Vera, entwickelt von einem russischen Start-Up. Die intelligente Software des Roboters wird unter anderem genutzt, um Telefoninterviews mit Jobsuchenden durchzuführen oder deren Fragen über Job Anzeigen zu beantworten. Der Roboter-Recruiter ist in der Lage, mit 1.500 Kandidaten in lediglich neun Stunden zu sprechen – ein Job für den ein menschliche Recruiter neun Wochen brauchen würde.

Doch wie hört sich ein solches Roboter-Bewerbungsgespräch an? Vera ruft einen Kandidaten an und öffnet die Konversation mit ¨Hallo, ich bin Vera. Ich bin ein Roboter und rufe im Namen von Unternehmen X an¨. Dann fragt sie den Kandidaten, ob dieser noch immer an der Position interessiert ist. Falls ja, gibt sie eine kurze Zusammenfassung des Jobs und initiiert ein Video Interview, während dem sie Spracherkennungssoftware nutzt, um Fragen zu stellen und zu beantworten. Kandidaten die dieses Interview erfolgreich meistern, werden an den HR Manager des Unternehmens weitergeleitet. Dieser fällt die endgültige Einstellungsentscheidung. Falls Vera bemerkt, dass der Kandidat nicht den vorher festgelegten Ansprüchen entspricht, beendet sie die Konversation auf höfliche Art und Weise.

Zu den Kunden gehören Unternehmen wie PepsiCo, IKEA und L’Oréal. PepsiCo testete den Roboter im vergangenen Winter und verzeichnete überraschende Erfolge: 95% der Kandidaten empfanden die Nutzung von Vera als interessant, inspirierend und gut. Man nutzte Vera um 1.500 mögliche Kandidaten anzurufen. Über 400 davon waren interessiert an den Jobangeboten, PepsiCo bestätigte 52 und stellte 15 davon ein. Laut Natalya Sumbaeva, HR Manager für Russland, sind Veras erfolge vergleichbar mit denen eines menschlichen Recruiters, allerdings kann Vera diese innerhalb eines einzigen Arbeitstages erledigen.

Vera ist bisher in 68 Sprachen verfügbar und wird bereits in Europa, den USA und der arabischen Welt genutzt. Zurzeit befindet sich der Roboter im Gefühls-Training. Das Ziel: Vera soll auch Sarkasmus und Emotionen während eines Interviews erkennen.

Sind Roboter die Recruiter der Zukunft?

Roboter im Recruiting sind eine geniale Sache und können, wenn richtig angewandt, den Recruitingprozess enorm beschleunigen. Auch die Candidate Experience kann drastisch verbessert werden. Nichtsdestotrotz stoßen solche Technologien noch immer an ihre Grenzen und verstehen nicht immer jede einzelne Frage und Antwort. Vor allem bei wichtigen Entscheidungen, wie die eines neuen Jobs, zieht man es dann doch vor ¨Mensch-zu-Mensch¨ zu sprechen. Laut Sumbaeva können Roboter HRler von Routineaufgaben und weniger interessanten Teilen des Jobs befreien:

Anstelle solcher Aufgaben, können Personaler ihre Zeit damit verbringen, HR Manager besser zu unterstützen, mit Datenbanken zu arbeiten, bessere Beurteilungen vorzunehmen und mehr Schulungen zu besuchen bzw. zu veranstalten. – Natalya Sumbaeva, HR Manager PepsiCo Russland

Unterm Strich werden und Roboter in der Zukunft viel Zeit ersparen. Zeit, die wir Personaler wiederum für andere Aufgaben nutzen können. Das ¨Human¨ in ¨Human Resources¨ wird aber auch in Zukunft erhalten bleiben!

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