Unternehmenskultur: Erfolgs- oder Risikofaktor?

Veröffentlicht auf 07-09-2017

Die Unternehmenskultur ist ein abstraktes Gefüge und schwer zu umreißen – als Erfolgsfaktor soll sie positiven Einfluss auf den wirtschaftlichen Erfolg eines Unternehmens nehmen. Es gibt zahlreiche wissenschaftliche Studien, die die Verbindung zwischen Unternehmenskultur und wirtschaftlichem Erfolg belegen. Aber vorab ist zu klären: Was ist Unternehmenskultur und welche Bedeutung hat sie?

Unternehmenskultur

Man spricht oft über die Unternehmenskultur und geht insgeheim davon aus, dass alle die gleiche Definition von dem Begriff im Kopf haben. Aber ist das wirklich so?

Ein kurze Internet-Recherche zeigt schon, wie schwierig es ist eine einheitliche Definition zu finden. Wikipedia spricht gar von der Organisationskultur. Ein Unternehmen ist im weitesten Sinne auch eine Organisation, aber es ist nicht der Begriff, den man im Alltag nutzt.

Wie genau lautet dann die Definition von Unternehmenskultur?

Hier gibt es zwei Ansätze um diese Frage zu beantworten. Man kann sich auf die Wissenschaft und Theorie beziehen oder man leitet den Begriff aus der Unternehmenspraxis ab. In der Wissenschaft kommt man um einen Namen nicht herum – Edgar H. Schein.

Sein Verständnis von der Unternehmenskultur lautet:

“Die Unternehmenskultur ist ein Muster gemeinsamer Grundprämissen, das die Gruppe bei der Bewältigung ihrer Probleme externer Anpassung und interner Integration erlernt hat, das sich bewährt hat und somit als bindend gilt; und das daher an neue Mitglieder als rational und emotional korrekter Ansatz für den Umgang mit Problemen weitergegeben wird.”

So viel zum wissenschaftlichen Ansatz – lang und komplex. Man kann das Ganze auch etwas kürzer auf den Punkt bringen, so wie es Bright und Parkin getan haben:

“This is how we do things around here!”

Weitere originelle und teilweise lustige Definitionen aus der Welt der Unternehmen hat kununu zusammengetragen. Die Definitionen reichen von “DNA” über den “unsichtbaren Kleber” bis hin zur “Atmosphäre”.

Bedeutung und Auswirkungen

Alles in allem hat man eher positive Assoziationen, aber was genau hat die Kultur für eine Bedeutung in einem Unternehmen?

Generell hat die Kultur in einem Unternehmen eine hohe Bedeutung und kann als wirtschaftlicher Erfolgsfaktor fungieren. Laut der großangelegten Studie von Kienbaum Management Consultants und Harvard Business Manager (157 Unternehmen aus der DACH-Region) schätzen rund 63 % der Teilnehmer die Bedeutung der Unternehmenskultur für den wirtschaftlichen Erfolg als hoch oder sehr hoch ein. Wenn einem Unternehmen gelingt, eine positive Kultur zu etablieren, kann diese viele positive Auswirkungen auf das Personal haben:

  • Gesteigertes Wohlbefinden woraus
  • gute Beziehungen unter Kollegen resultieren, die Kreativität fördern
  • und als eine Art Puffer für Stress und Rückschläge wirken
  • und letztendlich zu hoher Loyalität und gesteigerter Produktivität führen können.

Wohlbefinden vs. materielle Vergütung

Unternehmen und Organisation sind sich durchaus über die Wichtigkeit der Kultur bewusst und haben einen regelrechten Trend losgetreten, bei dem sie sich mit zusätzlichen Vergütungen wie HomeOffice, flexiblen Arbeitszeiten oder freiem Eintritt für Fitnessstudios überbieten, um die besten Leute zu halten und sich als attraktivere Arbeitgeber darzustellen. Diese angebotenen Extras mögen auch bei manchen gut ankommen, aber Studien aus Amerika belegen das Gegenteil!

Arbeitnehmer bevorzugen das Wohlbefinden am Arbeitsplatz gegenüber materiellen Vergütungen.

Das Wohlbefinden wird nicht über die angebotenen Vergütungen definiert, sondern darüber, wie engagiert und involviert ein Arbeitnehmer im Unternehmen ist.

Risikofaktor Unternehmenskultur

Vor dem Hintergrund der Talentsuche und dem Personal-Marketing wird die Unternehmenskultur oftmals feingeschliffen, darauf ausgelegt effizientes Arbeiten zu ermöglichen und eine gewisse “Go For It” Atmosphäre zu schaffen. Allerdings kann sich solch eine Unternehmenskultur auch negativ auf Arbeitnehmer auswirken und eher zu Stress und Druck führen.

Das Stress- und Druckgefühl resultiert dann oftmals in Unbehagen und körperlicher Versehrtheit. Die Kosten für die krankheitsbedingten Ausfälle von Arbeitnehmern, die bei Unternehmen arbeiten bei denen sie hohem Druck ausgesetzt sind, sind fast 50 % höher als bei anderen Firmen.

Zudem kann eine eher stress produzierende Unternehmenskultur eine Art Loslösung der Arbeitnehmer vom Unternehmen herbeiführen. Um dem entgegenzuwirken, sollte man als Arbeitgeber stets versuchen eine positive Arbeitsatmosphäre und Unternehmenskultur zu schaffen.

  • Sich um Kollegen kümmern, interessiert sein und diese respektvoll behandeln.
  • Gegenseitige Unterstützung im Sinne von Freundlichkeit und Mitgefühl, wenn Kollegen schlechte Zeiten haben.
  • Schuldzuweisungen vermeiden und Fehler vergeben.
  • Sich gegenseitig inspirieren.
  • Wertschätzung der Arbeit der Kollegen und Kolleginnen.

Fazit

Mit Beachtung dieser Grundpfeiler in der Entwicklung der Kultur und Umgang miteinander, kann man eine positive Unternehmenskultur definitiv als einen Erfolgsfaktor sehen, der Produktivität und wirtschaftlichen Erfolg mit sich bringt. Allerdings sollte man gerade in der erwähnten Talentsuche und Mitarbeiterrekrutierung nicht dem Zufall überlassen, ob ein zukünftiger Arbeitnehmer mit den Bedingungen im Unternehmen zurecht kommen würde. Hier gilt es schon vorab auszuloten, ob und inwieweit mögliche Kandidaten in das Unternehmen passen.

 

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