Wie kann ich als Kandidat den Cultural Fit messen?

Veröffentlicht auf 27-09-2017

Den Cultural Fit messen – das stellt für Unternehmen in einer globalisierten Arbeitswelt eine große Herausforderung da. Im Jahre 2020 werden die Hälfte aller Arbeitnehmer Millennials sein und das bedeutet die Prioritäten der Kandidaten ändern sich. Neben Weiterentwicklungsmöglichkeiten, flexiblen Arbeitszeiten und Vergütungen spielt für diese Generation vor allem die Übereinstimmung von (Unternehmens)kultur mit den eigenen Werten und Normen eine große Rolle.

Cultural Fit messen

Fehlende Möglichkeiten den Cultural Fit zu messen

Der Cultural Fit ist so enorm wichtig geworden für Millennials und trotzdem fehlen im Personalmanagement noch immer effektive Möglichkeiten den Cultural Fit vor dem eigentlich Gespräch zu messen, sowohl für Personaler als auch für Kandidaten.

Dass die Unternehmenskultur für den wirtschaftlichen Erfolg eines Unternehmens essentiell ist, ist unbestritten. In diesem Artikel nehmen wir allerdings die Position des Kandidaten ein, der meistens ohne viel Informationen von einem Unternehmen entscheiden muss, ob er oder sie sich bewirbt. Hier gibt es einige Fragen, die man an sich und dem Unternehmen stellen kann, um den Cultural Fit zu messen.

Mögliche Fragen an sich und Personaler

1 Finde ich mich in der Beschreibung des Unternehmens oder der Stelle wieder?

Eine der ersten Fragen, die man zur Messung des Cultural Fit stellen kann, ist eher an sich selbst gerichtet. Diese Frage kann man sich während der Vorbereitung auf das Vorstellungsgespräch stellen. In der Zeit sucht man auf den bekannten Plattformen (Kununu, Glassdoor, etc.) nach Arbeitgeberbewertungen und möglichst vielen Informationen über das Unternehmen. Findet man seine eigenen Charakterzüge in den Beschreibungen wieder? Dann deutet das schon auf eine eher hohe Übereinstimmung hin.

Bei dem Prozess sollte man sich allerdings nicht nur auf seine eigene Fähigkeit verlassen, den Cultural Fit zu messen, sondern am besten Freunde und Familie zu Rate ziehen. Stellt die Frage in den Raum: “Beschreibt mich das?

2 Was machen Sie gerne außerhalb der Arbeit(szeiten)?

Man verbringt mit Arbeitskollegen nicht nur viel Zeit im Büro, sondern auch außerhalb der Arbeitszeiten wie zum Beispiel auf Events, Konferenzen, Messen oder Feierlichkeiten. Daher ist es hilfreich sich ein Bild von den möglichen Arbeitskollegen zu machen um besser einschätzen zu können, wie sie sich im Berufsalltag verhalten. In einem Vorstellungsgespräch kann man als Bewerber die Seiten auch umdrehen und Fragen an die Gesprächspartner stellen, um den Cultural Fit messen zu können.

Beispiel: Wenn man Single ist und alleine in der Stadt wohnt, aber die möglichen Kollegen-/innen überwiegend verheiratet sind, Kinder haben und eher in ruhigeren Stadtrandgebieten leben, könnte es schwieriger sein Freundschaften durch die Arbeit zu finden.

3 Warum arbeiten Sie gerne bei diesem Unternehmen?

Diese Frage zielt auf die (hoffentliche) Zufriedenheit und den Stolz der Arbeitnehmer ab. Wenn die Gesprächspartner in der Lage sind darauf schnell und kompetent zu antworten, kann man daraus schließen, dass es ihnen wirklich am Herzen liegt bei der Firma tätig zu sein.

Man kann die Frage noch steigern, um den bestehenden Cultural Fit der Arbeitnehmer zu messen. “Wenn Sie zwei Veränderungen vornehmen könnten, was wären diese?” Allerdings setzt diese Fragestellung voraus, dass man nach den persönlichen Gründen für das Unternehmen gefragt hat.

4 Wie sieht bei Ihnen die arbeitsreichste Zeit im Jahr aus?

Gewisse Fragen zu Arbeitsumständen stellt man in einem ersten Gespräch ungerne. Man befürchtet ein unvorteilhaftes Bild von sich abzugeben, wenn man beispielsweise danach fragt, wann denn die meisten Leute Feierabend machen. Solch eine Frage lässt sich aber gut paraphrasieren. Man kann nach der arbeitsreichsten Zeit im Jahr fragen und wie das Team mit diesen Situation umgeht.

Hierbei kann der Gesprächspartner oder die Gesprächspartnerin eine skizzenhafte Beschreibung liefern, die unter anderem auch Aufschlüsse über den Zusammenhalt des Teams und den Cultural Fit gibt.

5 Kleiden sich üblicherweise alle so?

Eine weitere Frage zu den Arbeitsumständen sowie der Kultur im Unternehmen ist die Frage nach dem Kleidungsstil. Hier kann man die Zeit am Ende des Interviews oder eventuell während eines Einzelgesprächs nutzen, um nach dem geeigneten Kleidungsstil zu fragen.

Bei Vorstellungsgesprächen geht es primär um das Kennenlernen des Bewerbers, aber genauso möchte man auch das Unternehmen besser kennenlernen. Daher sollte man dafür sorgen, dass es nicht nur um einen selber geht, sondern auch um die Gesprächspartner.

Technologie kann helfen

Recruiting Technologies

Die Grafik stellt eine Übersicht der Entwicklungen im Recruiting und HR dar. Man sieht eine starke Zunahme von Neuentwicklungen, die in jeden Bereich der Personaler hinreicht. Sei es ATS, die wahrscheinlich am meisten genutzte Technologie oder Assessment Tests in Form von Gamification. Um den Cultural Fit zu messen, haben sich mittlerweile Technologien herausgebildet, die Kandidaten nutzen können um sich mit der Arbeitgebermarke von Unternehmen vor dem ersten Gespräch zu matchen.

Das Institut Korn Ferry aus England hat ermittelt, dass nur 46 % in UK-ansässige Firmen Applicant Tracking Systems und nur 49 % Assessment Verfahren nutzen. Vor dem Hintergrund, dass Assessments- und Matching Technologien das Risiko einer Fehlbesetzungen wesentlich reduzieren können, sind das geringe Zahlen.

Noch setzen einstellende Personaler zu sehr auf ihr Bauchgefühl und die eingereichten Lebensläufe. Fehlbesetzungen haben enorme finanzielle Folgen. So wurde ermittelt, dass eine Neubesetzung, die nach 6 – 18 Monaten das Unternehmen wieder verlässt, durchschnittlich Kosten von 45.000 Euro verursachen.

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